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3. Fastensonntag

3. Fastensonntag
3. Fastensonntag
© Michael Behrens I Unsplash.com

Sei realistisch: Glaub an ein Wunder!

Wenn dich jemand fragen würde: Glaubst du an Wunder? – Was würdest du antworten? Bist du skeptisch – schließlich bist du ja an einer Universität und damit in besonderer Weise der Wissenschaftlichkeit und der Vernunft verpflichtet?

Bist du gläubig – kennst die Wundergeschichten in der Bibel und denkst dir: Wie toll wäre es, wenn das heute auch geschehen könnte: Brot für alle Menschen gegen den Hunger der Welt, oder Glaube, der Berge versetzen kann? Schaust du gerade voller Sorge in die Welt, auf das Leid der Menschen in der Ukraine und darüber hinaus, die Zerstörung der Umwelt, die Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen überall und wünschst dir, Gott selbst möge eingreifen und all dem ein Ende setzen?!

Im 1. Korintherbrief im Neuen Testament, unter den Gaben, mit denen Gottes Geist Menschen befähigt, heißt es tatsächlich: »... Einer wird dazu befähigt, Wunder zu tun; ein anderer prophetische Aussagen zu machen; wieder ein anderer zu beurteilen, ob etwas vom Geist Gottes gewirkt ist ...« (1 Kor 12,10).

Oha, also Arbeitsteilung! Vielleicht gehöre ich ja nicht zu denen, die mit dieser Gabe ausgestattet sind (dafür habe ich dann – hoffentlich! – andere Stärken mitbekommen :-) Aber die Frage lässt mich nicht los: Wenn ich schon meine, keine Wunder tun zu können, kann ich dann wenigstens an Wunder glauben?

Aufgeklärte Menschen denken in nachweisbaren Ursachen und Wirkungen: Ursachen bewirken gemäß den Naturgesetzen Wirkungen, und die Wirkungen lassen sich zurückführen auf Ursachen. (Dass das immer so sein muss, kann zwar nicht bewiesen werden, entspricht aber der Erfahrung und behält seine Gültigkeit bis zum Auftreten einer Wirkung ohne Ursache.) Somit »glauben« etwa Physiker:innen diesem Wechselwirkungsprinzip. Darum sind sie nicht bereit, eine Wirkung, deren Ursache sie nicht kennen, als Wirkung ohne Ursache (also als Wunder) anzuerkennen oder einen nicht physikalischen Wirkgrund (wie ein Eingreifen Gottes) zu akzeptieren. Mit dem Zusatz: »Es sei denn, wir könnten das im Experiment objektiv und reproduzierbar nachweisen.«

Im übertragenen Sinne des Wortes »Einwirken« gibt es jedoch vielfältige Möglichkeiten, über das Thema Wunder nachzudenken. Der Physiker Albert Einstein war von der Einfachheit der die Natur beschreibenden Gesetze überzeugt, denn Gott, der die Welt erschaffen hat, sei kein Zufallsgenerator, sondern ein großer Physiker: »Gott würfelt nicht.«

Viele Menschen glauben wie Albert Einstein aufgrund ihrer Erfahrungen in dieser Welt, in der Begegnung mit anderen Menschen, im Erleben des Entstehens von neuem Leben, in der Vielfalt der entstehenden Gedanken und durchlebten Emotionen, dass Gott die Welt erhält: »Ich erlebe immer wieder, dass ich mich im Glauben an das Wirken Gottes beschützt und geborgen fühle. Für mich ist das eine Gewissheit. Daran glaube ich.«

Diese subjektive Gewissheit kann man aber nicht so objektivieren, dass sie im Prinzip für jede:n, zu jeder Zeit, an jedem Ort im Großen oder Kleinen nachempfunden werden könnte. Der Glaube bleibt ein Geschenk, das man sich weder erarbeiten, erkämpfen oder beschaffen, aber immer wieder erneut erbitten kann. Aber wenn man darum bittet, glaubt man ja doch schon ...

Wahre Wunder sind also diejenigen, die man auch heute nur mit den Augen des Glaubens erkennen kann:

  • dass Menschen aus ihrem Glauben heraus zu selbstlosem Handeln bereit sind: zum Einsatz für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung ...
  • dass mein Leben kein Zufall ist, sondern dass ich gewollt und akzeptiert bin ...
  • dass nichts und niemand mich je von Gott trennen kann ...
  • dass keiner eine größere Liebe hat, als wer sein Leben für andere einsetzt ...

Also: Sei realistisch – glaub an ein Wunder!

Und vielleicht kannst du ja doch auch das eine oder andere Wunder tun ...

Lass ruhig für einen Moment mal die Funken sprühen ...

Immer wieder wunderbare, kraftvolle Momente – trotz und in allem – wünscht dir

Joachim Braun, Hochschulpfarrer vom Team der Katholischen Hochschulgemeinde Frankfurt

#Geististgegenwärtig

In der Fastenzeit gibt es hier immer wieder Gedanken zu den Gaben des Heiligen Geistes – Ideen und Impulse zu Vielfalt, Begabungen und dazu, warum unsere Unterschiedlichkeit das Leben bereichern kann. #Geististgegenwärtig – auch und gerade in Zeiten von Klimawandel, gesellschaftlicher Spaltung und Krieg.

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