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Ich teile mit dir.

Ich teile mit dir.
Ich teile mit dir.
© iStock I fizkes

Einer meiner besten Freunde ist extrem futterneidisch. Schon der Versuch beim Italiener von seiner bestellten Pizza eine kleine Ecke probieren zu wollen, wird mit finsteren Blicken bestraft, die nur halb zum Spaß knurren: »Vorsicht, dünnes Eis, du spielst gerade mit unserer Freundschaft!«  Er käme aber auch nie selbst auf die Idee, eine Gabel von meiner Pasta probieren zu wollen ...  Ich dagegen liebe das total: bei anderen zu probieren, die Vielfalt zu riechen, zu schmecken, miteinander zu teilen. Essen ist so viel mehr als Sattwerden oder Sattmachen. Wie sehr vermisse ich derzeit auch das mit Studierenden und im Team der KHG: zusammen zu kochen, zu essen, zu teilen ...

»Ich teile mir dir« steht über dem Impuls für diese Woche der Fastenzeit. Teilen lässt sich nicht nur Pizza, Gott sei Dank! Manches teilen wir gerade gezwungenermaßen: den Lockdown, Home Office, Abstandhaltenmüssen, Ansteckungsgefahr ... Manches teilen wir, ohne zumeist groß darüber nachzudenken: die U-Bahn oder den Hörsaal (wenn nicht gerade Pandemie ist), die Wohnung, den REWE oder soziale Netzwerke ... Manches teilen wir mit Sorge: den Klimawandel, die Mietpreise oder die Beobachtung, wie sich das soziale Gleichgewicht in der Welt verschlechtert.

»Ich teile mir dir« ist in der Bibel eines der Werke der Barmherzigkeit. »Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden ...« konkretisiert es das Matthäusevangelium (Mt 25,31ff.). Ganz konkret, wie der barmherzige Samariter, der den Notleidenden sieht, der ihm auf dem Weg begegnet, und Soforthilfe am Unfallort leistet. Ganz konkret wie eine Elisabeth von Thüringen, die den Bedürftigen von den Speisen ihrer Tafel brachte, um den ärgsten Hunger zu stillen. Zugleich gründete sie aber auch Hospize, um die Fürsorge auf nachhaltige Weise sicherzustellen, und verbindet so das Konkrete mit dem Politischen, Strukturellen. Teilen ist immer beides: konkrete Hilfe und politisches Handeln, das eine lässt sich nicht gegen das andere ausspielen. Wer teilt, handelt politisch, und wer politisch handelt, teilt. »Politik ist angewandte Liebe zur Welt« (Hannah Arendt).

Teilen kann man nicht nur Pizza oder Pasta. Teilen kann man auch den Hunger. Den Hunger nach Anerkennung, nach Wertschätzung, nach Gerechtigkeit, nach Sinn im Leben ... Dietrich Bonhoeffer sagte im Blick auf den Hunger nach Gerechtigkeit, dass dieser nicht irgendwann, sondern nach Jesu Verheißung schon im Jetzt gestillt wird: Schon das Einklagen des Brotes der Gerechtigkeit kann der Beginn eines neuen Durchbruchs und Verwirklichung eines echten Miteinander Teilens sein. So formuliert etwa auch der Heilige Thomas von Aquin recht klar: »Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.« Es gilt also beides in den Blick zu nehmen: konkrete Zeichen der unmittelbaren Hilfe zu setzen und nachhaltige (auch: strukturelle) Veränderungen mitzugestalten. Und genau darin auch für sich selbst eine Bereicherung und Bestätigung zu erfahren: Geteiltes Leid ist halbes Leid; geteilte Freude ist doppelte Freude. Geteilte Pizza ist halbe Pizza, beim Pizzateilen geteilte Zeit reichere Zeit.

Frage dich in dieser Woche:

  • Wonach hast du wirklich Hunger, und vom wem könnte der gestillt werden?
  • Mit wem würdest du jetzt gerne Zeit (auch ohne Pizza) teilen? Mit wem ein Stück Schokolade?
  • Was macht dich reich, wenn es dir geschenkt wird?
  • Was hast du? Was kannst du geben, um es zu teilen?
  • Wie kannst du auch im Lockdown konkret Teil-Haben und Teil-Geben an den Nöten anderer?

Joachim Braun, Hochschulpfarrer

Der barmherzige Gott behüte unser Leben,

er gebe uns Gesundheit an Leib und Seele

und schenke uns allezeit sein Heil.

AMEN.

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