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Wird das wieder heile??

Wird das wieder heile??
Wird das wieder heile??
© Katholische Hochschulgemeinde (KHG) Frankfurt

Pflaster – es gibt sie in allen möglichen Größen, Materialien und Farben. Wir benutzen Pflaster, wenn wir uns geschnitten oder auf eine andere Weise verletzt haben. So nützlich diese »kleinen Klebestreifen« auch sind, sie verschonen uns nicht davor, uns erneut in den Finger zu schneiden. Wenn es doch »nur« der Finger wäre, den wir uns verletzen können! Wir sind und bleiben verwundbar! Damit sind und bleiben wir auch heilungsbedürftig!

Die eigene Heilungsbedürftigkeit haben wir schon in den frühen Kindheitstagen zu spüren bekommen, wenn unser Lieblingsspielzeug oder unser liebstes Kuscheltier kaputt gegangen ist oder etwas daran abgebrochen oder abgerissen wurde. Dann ging in diesem Moment eine Welt für uns unter. Mit Sicherheit ist auch die eine oder andere Träne gerollt, wenn uns die Frage quälte: Ob das wohl wieder heile wird???

Damals half es, dass uns die Eltern in den Arm genommen und beschwichtigt haben mit der Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird. Heute sind wir aus diesen Kindheitserfahrungen herausgewachsen, schauen differenzierter auf das Leben. Und doch ist die Sehnsucht nach der »heilen Welt« geblieben. Wir spüren dies, wenn wir unsere Visionen und Träume verlieren, wenn uns Prüfungen im Studium oder berufliche Dinge überfordern. Vielleicht wird diese Sehnsucht auch wach, wenn wir die Folgen der Klimakatastrophe hautnah erleben, wenn der Krieg in der Ukraine uns ohnmächtig macht – oder wenn wir selbst Leid und Verletzung an Körper, Geist und Seele erfahren. Nicht selten wünschen wir uns dann den Zustand herbei, wie es davor gewesen ist, als alles noch heil und ganz war. Wir wünschen uns diese gewohnte Ordnung von »heil und ganz sein« und ihre Normalität zurück. Doch »funktioniert« Heilung so wie gewünscht, pragmatisch und auf
Knopfdruck?

Befragen wir die Bibel dazu und schauen wir auf Jesus, der sich mit Heil und Heilung auskannte. Er heilte viele Menschen, einige davon mit langen Leidensgeschichten. Er sprach sie an, stellte sie in die Mitte, er ließ sich stören auf seinem Weg – manchmal auch widerwillig. Oder er fragte die, die ihn um Heilung baten: »Was soll ich dir tun?« Mit anderen Worten, Jesus ließ sich durch das Leid oder die Verwundungen der Menschen berühren, indem sie ein Echo in seinem Herzen hinterließen. Heilungsprozesse sind bei Jesus immer Beziehungsgeschehen, in denen Jesus berührbar ist und in denen sich die Menschen von seiner heilenden Kraft berühren lassen.

Wenn Wunden heilen sollen, brauchen wir andere, die einfach da sind, verarzten, zuhören, trösten, oder auf eine andere Weise Hilfe leisten.

Das »Gesehen«, »Verstanden« und »Angenommen« werden sind dabei Schlüsselmomente, die sich nur in Beziehung ereignen und grundlegend sind für unser Heil-sein und -werden. Sie befreien von dem Anspruch, alles selbst tun zu können, und von den Erwartungen, dass alles wieder so heile werden muss, wie es davor war. Im Gesehen, Verstanden und Angenommen Sein können wir uns mit unserem Sosein zeigen und darin entfalten. Auf diese Weise hat Jesus selbst immer wieder Menschen geheilt und deutlich gemacht, dass die innere Präsenz und eine liebende Aufmerksamkeit von großer Bedeutung für Heilung in Beziehung sind.

Heilende Beziehungen, die wir selbst erfahren haben, können uns auch mit dem Potential in Berührung bringen, dass wir selbst heilend wirken durch Ansehen, Annahme, Verständnis von anderen Menschen. Das Geschenk der eigenen Erfahrungen von heilender Beziehung befähigt uns, das Erlebte weiterzugeben und andere daran Teil haben zu lassen, Heilung zu erfahren. Auf diese Weise wirkt Gottes Geist an und in uns.

Lassen wir uns also von Gottes heilender Geistkraft beschenken und öffnen wir dieser Kraft immer wieder Räume zum Wirken – sei es in uns oder in unserem Alltag. Das Pflaster mag uns in dieser Woche an die Geistgabe der Heilung erinnern.

Folgende Fragen können uns begleiten:

  • Wann erlebe ich mich selbst in dieser Woche als »heilungsbedürftig«?
  • Wo begegnet mir Verwundung bei anderen Menschen und wie kann ich eigene Erfahrungen von »Heilung« für sie fruchtbar machen?

In diesem Sinne wünsche ich eine heilsame Woche,

Sr. Laura Knäbel, Seelsorgerin für Frankfurt University of Applied Sciences

#Geististgegenwärtig

In der Fastenzeit gibt es hier immer wieder Gedanken zu den Gaben des Heiligen Geistes – Ideen und Impulse zu Vielfalt, Begabungen und dazu, warum unsere Unterschiedlichkeit das Leben bereichern kann. #Geististgegenwärtig – auch und gerade in Zeiten von Klimawandel, gesellschaftlicher Spaltung und Krieg.

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